Das Petritor - Ein Gebäude und sein Schicksal

Bis zum Inferno der Bombennächte des Zweiten Weltkrieges hat das Petritor allen Stürmen, die über unsere Stadt hinwegzogen, getrotzt. Und auch diese Nächte hat es, wenn auch arg beschädigt, überdauert.
Doch es sollte keine zwanzig Jahre mehr dauern, bis dieses Zeugnis unserer mittelalterlichen Stadtbefestigung einer barbarischen Verkehrsplanung weichen musste. Ob die Verantwortlichen wussten, dass ihre Pläne bei den Rostockern auf Ablehnung und Abscheu stoßen würden?

Es war an einem frühen Morgen im Mai 1960, als die Einwohner auf dem Alten Markt und rund um die Petrikirche durch einen lauten und dumpfen Knall aus dem Schlaf aufgeschreckt wurden. Außer einigen wenigen Frühaufstehern ahnte noch niemand, was geschehen war. Ein Unglück? Ja, es war eigentlich mehr als das. Eine Barbarentat war von den Stadtvätern in Auftrag gegeben worden: die  Sprengung des Petritores. Das uralte Stadttor und Einfahrtstor für Kaufleute und Handelsgesellen aller Art war einem Willkürakt zum Opfer gefallen. Zwar hatten die Rostocker schon voller Grimm miterleben müssen, wie die kriegsbeschädigte Jakobikirche der Mittelstadt beseitigt worden war, aber Kirchen, das wusste man, waren den Kommunisten verhaßt. Doch das Petritor? Seine Grundbausubstanz hatte den Krieg überstanden und das Ensemble Petrikirche - Petritor war der Stadt erhalten geblieben. Nun blickte St. Petri von der Höhe herab auf die Slüterstraße, wo die Bomben nur ein Haus verschont hatten, und auf einen Steinhaufen, der einmal das Petritor gewesen war.
Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Stadtväter und -Mütter mit Weisheit und Sorgfalt, vor allem aber mit kluger Überlegung diesem Auftrag eines Tages  gerecht werden.

In den letzten Jahren kam bei dem Thema Wiederaufbau unter angemessener Berücksichtigung der historischen Gegebenheiten Bewegung auf. Auch wir als Verein zur Förderung der Östlichen Altstadt e.V. setzen uns sehr dafür ein und berichten regelmäßig in der OSTPOST über die aktuellen Entwicklungen. In der Ausgabe 20 haben wir noch einmal umfangreich auf die Situation hingewiesen und als Mahnung die hier veröffentlichten Bilder gezeigt.

Bildergalerie: Die Zerstörung des Petritors in Rostock

  • Bildergalerie: Die Zerstörung des Petritors in Rostock

© Bilder Gustav Scharnweber, bitte die Bildhinweise beachten. Diese Bilderserie wurde abgedruckt in der OSTPOST Ausgabe 20.

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