Aktuelles

Neue Ausstellung in der Galerie des Kunstvereins zu Rostock: Circulating Repetitions Ines Brands, Dörte Helm, Ellen Möckel

Ausstellungsreihe Künstler der V.R.K. im Dialog mit zeitgenössischer Kunst

Die Vereinigung Rostocker Künstler (V.R.K.) hat von 1919 bis 1933, in den knapp eineinhalb Jahrzehnten ihrer eigenständigen und unabhängigen Existenz und Wirkens, die Kunstszene der Stadt zwischen dem Ende des 1. Weltkrieges und der Machtübernahme der Nationalsozialisten wesentlich bestimmt.

In der Ausstellung Circulating Repetitions setzt der Kunstverein zu Rostock eine 2019 begonnene Ausstellungsreihe fort, die jedes Jahr ein anderes Mitglied der Gruppe in den Dialog mit zeitgenössischen Künstlern treten lässt.

Die jungen Künstlerinnen Ines Brands und Ellen Möckel treffen auf die künstlerische Haltung von Dörte Helm (1898– 1941). Was sie vereint, ist neben der Heimat Rostock der gestalterische Hintergrund und die Loslösung von diesem. Während Dörte Helm Studentin am ehemaligen Bauhaus in Weimar war, haben Ellen Möckel an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und Ines Brands an der Burg Giebichenstein in Halle zunächst Grafikdesign studiert. Im Unterschied zu Dörte Helm, die nach ihrer Zeit am Bauhaus in die Heimat zurückgekehrt ist, wo sie ihre eigene Handschrift weiter ausgebaut hat, haben Ines Brands und Ellen Möckel den Meisterschüler in der Bildenden Kunst in Leipzig fokussiert um ihre Positionen in der freien Grafik und Malerei zu verstärken. Seitdem lebt und arbeitet Ines Brands in Leipzig und Ellen Möckel hat sich im weiter bestehenden Austausch mit Leipzig in Berlin fest verankert.

Der Kunstverein zu Rostock zeigt erstmalig die drei visuell sehr unterschiedlichen künstlerischen Haltungen. Den seriell angelegten Arbeiten von Ines Brands und Ellen Möckel wird eine Auswahl Dörte Helms verfügbarer Werke gegenübergestellt. Zwischen Figur und Landschaft oszillieren die Arbeiten einerseits in expressiver, andererseits in konstruktivistischer Abstraktion. Die Verknüpfung unterschiedlicher Perspektiven wird im Ausstellungsraum hergestellt: Geschichte ist Vergangenheit aber auch Gegenwart. Das Gegenüberstellen, Umschreiben, Auflösen und Neu-Formulieren wird hier zum wichtigsten Motiv.

Ines Brands führt im Wiederholen der aus Erinnerung hängengebliebenen Bilder auf Leinwand und Papier einen nahezu performativen Übersetzungsprozess aus. Visuelles und theoretisches Ausgangsmaterial wird entweder komplett gestisch zerlegt oder scheinbar flüchtig skizziert. In Dörte Helms Arbeiten wiederum wird die Suche nach dem Selbst durch das stark kontrastierende Gegenüber von Licht und Schatten, Farbe, Nähe und Distanz ausgelotet. Auf zeichenhafte Art und Weise thematisiert sie diese Reise in all Ihren Arbeiten. Ellen Möckel hingegen stellt einzelne Fragmente unbewusst eingebrannter Bilder grafisch frei und lässt sie in der Neukombination mit anderen auf simulierten Druckstöcken mutieren. Dabei wird die Verstrickung von Original und Kopie erst durch das unaufhörliche Fortführen möglicher Lese- und Schreibprozesse transluzent.

Öffnungszeiten der Galerie: Dienstag bis Sonntag | 14 bis 18 Uhr

Dörte Helm o.T. (Doppelbildnis: „Günter und Elsa gewidmet“), 1925, Pastell, 42,5 x 32,5 cm Leihgabe Hans Urbanczyk (Kassel)

Ellen Möckel Goody (CB3). Holzschnitt, FineArtPrint, Polyurethan-Schaumplatte, 2020, 64 x 44 cm

Ines Brands Hysterie und Angst IX (Der Schrei), Serie, Öl auf Leinwand, 140 x 185 cm, 2018